Attila Fritzsch in Ungarn!

16.April.2007

Kleine Dinge 07

Gespeichert unter: Beobachtungen — Attila @ 0:07

Das kleine grüne Buch erzählt:

  • 20 € (ca. 5000 Forint) ist schon zu viel für ein durchschnittliches Geschäft. (Inzwischen traue ich mich nirgendwo mehr meine von der Bank erhaltenen 20.000 Forint-Scheine „klein zu machen“, denn es passiert mir so oft, dass mich die VerkäuferInnen mit Entsetzen in den Augen anschauen, die mich zu fragen scheinen, während sie versuchen mich zu erwürgen, wo ich denn so viel Geld her habe und wie ich mich erdreiste gerade hier damit zahlen zu wollen.)
  • Beinloser in der 4er-6er-Tram mit „Bügeleisen“ (Wem auch nur ein einziger Werner-Film bekannt ist, weiß wovon ich spreche: Der Igel in seiner Karre versucht die Straße zu überqueren und wird immer überfahren. Naja, soviel zur Assoziation. In der Tram gibt es einen Bettler ohne Beine, der sich nur mithilfe von zwei Holzgriffen fortbewegt. Viele Menschen übersehen in schlichtweg, da er nur mal gerade 80cm hoch ist. Ich treffe ihn regelmäßig und kann meinen Blick einfach nicht abwenden. Ich habe schon ernsthaft darüber nachgedacht ihm einen kleinen vierrädrigen Karren zu basteln, aber ich denke, dass er direkt diese „kriechende“ Fortbewegungsart gewählt hat. Er könnte die Geste schließlich auch missverstehen, immerhin nehme ich ihm so seine Einzigartigkeit.)
  • vécézni (= WC-zni ist ein Verb, das gleichbedeutend mit „auf dem WC sein Geschäft verrichten“ ist. Ich finde die Idee gut und schlage für das Deutsche folgendes vor: wezehen = WCen, oder vielleicht lieber toiletten. Dann würde es heißen: „Ich gehe mal toiletten“. Oder: „Bitte nicht stören, WCe!“ — Das spart Worte!)
  • Straßenmagazin „Flaszter“ (Am Anfang dachte ich, ich würde hier wohl nicht mehr mit Straßenmagazinen in Kontakt kommen, da ich über ein halbes Jahr keine gesehen habe. Nun habe ich letztens eines in die Hand bekommen und kann zu meiner Liste von Motz, Straßenfeger und Co. nun auch Flaszter (auf deutsch Pflaster) zu der Reihe der absurden Namen für Obdachlosenzeitschriften hinzuzählen.)
  • Donaustraßenstau (Warum begeben sich Autofahrer jeden Tag auf die Uferstraße, wo sie doch ganz genau wissen, dass sie dort im Stau stehen. Der Verkehr fließt einfach nie außer vielleicht nachts. Autofahren in Budapest ist eigentlich eh sehr aussichtslos sobald man mal über das Wasser muss. Es kommt nicht selten vor, dass im Radio die Ansage kommt: „Unser Interview-Gast wird sich verspäten, da er [wiedereinmal](Anm. d. Autors) an der Margaretenbrücke im Stau steht“. Letztens wurde sogar angesagt, dass der Gast nun versucht über die Árpádbrücke zu fahren, nachdem er eine halbe Stunde vor der Margaretenbrücke stand. Unnötig zu erwähnen, dass der Gast nicht rechtzeitig vor Programmende im Studio war, aber immerhin: 1,5 h Verfolgung der den Gast betreffenden Ereignisse.)
  • Wohnheimparty: Besoffene Studenten in der Ecke singen (aus voller Lunge) ungarische Volksmusik. (Und das für knapp eine Stunde.)
  • Straßenbahnzufrühaufsteher (Unabhängig vom gewählten, öffentlichen Verkehrsmittel sehe ich furchtbar viele Menschen, schon eine ganze Station bevor sie aussteigen wollen, zum Ausgang gehen.
    Ich habe diesbezüglich eine Beobachtung gemacht, nennen wir sie „Busverhalten“:
    Da in Bussen der Stopknopf NUR über oder in seltenen Fällen neben der Tür zu finden ist und der ausstiegswillige Fahrgast durch Knopfdruck dem Fahrer sein Bedürfnis mitteilen muss, ist der Fahrgast gezwungen rechtzeitig zur Tür zu gehen und den Knopf zu drücken. Vor allem ältere Verkehrsteilnehmer stehen auf während das Fahrzeug steht, d.i. eine Station vorher, um den Knopf unbeschadet und rechtzeitig erreichen zu können. Dazu nun 2,5 weitere Beobachtungen::

    • Der normale Budapester übt dieses Verhalten auch in der Metro und Straßenbahn, wo es solche Knöpfe nicht gibt. Dies führe ich ohne weiteren Beweis auf eben erklärtes antrainiertes Busverhalten zurück.
    • In den neuen Combino-Straßenbahnen (meines Wissens seit August 2006 in Betrieb) gibt es an der Tür Knöpfe, die ein Symbol tragen, das offene Türen zeigt. Desweiteren ist über dem Knopf ein Aufkleber angebracht, auf dem folgendes steht (sinngemäß): „Wenn Sie ausstiegswillig sind, drücken sie rechtzeitig den Knopf“.
      Meine Vermutung: Hier werden nun zwei Dinge in einen Topf geschmissen. Die alte Straßenbahn, die sowieso an jeder Haltestelle hält und das Busverhalten. Ich vermute, dass die Knöpfe in ihrer eigentlichen Funktion zum Türöffnen gedacht waren, worauf wohl das Symbol auf dem Knopf als auch der flache, runde Knopf an der Türaußenseite hinweist. Der normale Budapester aber steht rechtzeitig auf, um sich auf den Weg zum Knopf zu machen und drückt eben diesen. Hält die Straßenbahn nun an, öffnet sich die Tür nicht, da der gewissenhafte Budapester, den Knopf schon gedrückt, darauf wartet, dass der Fahrer ihm die Tür öffnet.
      Das hat wohl zu frustrierten Fahrgästen geführt und folglich zur Umstellung des Systems. Die erwähnten Aufkleber werden angebracht und der Knopf zur Austiegswillig-Anzeige benutzt. Die Funktion des flachen, runden Knopfes an der Türaußenseite wird aufgehoben, der Knopf somit sinnlos.
      Nun führe man sich bitte abschließend zu diesen Überlegungen vor Augen, dass diese Straßenbahn über 8 Türen auf jeder Seite verfügt und immer überlaufen ist. Am Tag fährt sie alle 2 Minuten, meist öfter. Folglich wird das Knopfdrücken und Busverhalten unnötig, es sei denn kein einziger drückt den Knopf und es steht niemand an der Station. Dies ist mir noch nie passiert und ich glaube, dass die Straßenbahn auch dann anhalten würde.
      Die Schlussfolgerung: Das Busverhalten wird trainiert, um den armen Fahrgast auch in der Metro schon eine Station zu früh zum Aufstehen zu zwingen, aber mit welchem Zweck bleibt mir ein Rätsel.
    • Noch eine halbe Beobachtung. In der eben erwähnten Straßenbahn wurde über der Tür eine Lampe angebracht, die leuchtet, wenn jemand den seitlichen Knopf gedrückt hat. Im Bus ist dies ähnlich, nur ist hier die Lampe gleichzeitig auch der Knopf und auf einen seitlichen Knopf wird zumeist verzichtet.
      Ich gebe zu, dass es auch mir immer wieder passiert, dass ich über die Tür lange und das nicht leuchtende Lämpchen drücken will, um dann überrascht feststellen zu müssen, dass es kein Knopf ist.)
  • nyúlás <-> nyúl (Ersteres heißt „Dehnung„, zweites „Hase„. Vielleicht ein Zufall, vielleicht aber auch nicht, ich werde dem nachgehen!)
  • Hasse deinen Wecker! (Nur er trägt die Schuld der vergangenen Nacht und des furchtbaren Morgens mit Leichtigkeit, jeden Tag!)

15.April.2007

Abwegig

Gespeichert unter: News — Attila @ 22:21

Es gibt (wie immer im Leben) gute und schlechte Nachrichten.

gut – Ich hatte mein erstes richtiges Solo im Chor und das beste Konzert, das wir je gemacht haben.

schlecht – Meine Chorleiterin ist für unbestimmte Zeit im Krankenhaus und somit bin ich für mindestens die nächsten 6 Wochen ohne Chor.

gut – Da der Chor sich nun nicht mehr regelmäßig zum Singen trifft, hat er kurzerhand beschlossen, dass wir dann eben feiern gehen.

schlecht – Ich habe sehr zu tun, um meine Semesterarbeiten, Projekte und Klausurvorbereitungen zu erledigen.

gut – Es macht mir Spaß eben dieses zu tun, auch wenn ich oft „besseres“ zu tun habe.

schlecht – Gutes Wetter ist sehr oft etwas „besseres“ und wir haben momentan furchtbar viel davon.

gut – Ich bin sehr pflichtbewusst und teile mir meine Zeit ein.

schlecht – In meiner Planung kommt der Punkt „schlafen“ zu kurz.

gut – Sowohl die Jazz- als auch die Folk-Band machen riesige Fortschritte und ich um so mehr.

schlecht – Alle fangen an rückwärts zu zählen, was mich wirklich fertig macht. In der Jazz-Band legen wir schwere Stücke beiseite, weil wir ja „nur noch“ 2 Monate haben, sie einzustudieren.

gut – Kombiniert man das Wetter mit einer netten Band, dann wird eine schöne Parksession daraus.

schlecht – *

gut – Noch 2,5 Monate!

schlecht – Noch 2,5 Monate!

*Unterm Strich – mehr gut als schlecht! Es geht mir hervorragend und ich will momentan nirgendwo anders sein!

9.April.2007

Frohe Ostern

Gespeichert unter: Beobachtungen — Attila @ 20:51

Ich habe vernommen, dass es in Berlin kein schönes Wetter gab zu Ostern. Somit habe ich mich entschlossen, ein Stück des schönen Wetters und ein wenig meines Osterns in Ungarn nach Berlin zu schicken. Ich habe das Wochenende bei meiner Oma in Esztergom verbracht und mir sogar ein wenig Wangensonnenbrand eingefangen. Hier einige bildliche Eindrücke zum Genießen. Ich bitte darum keinen Neid zu hegen, weil das dem vorliegenden Projekt abträglich wäre!

Wir befinden uns an der Kreuzung am Hang über dem Garten meiner Oma. Hier werden wir uns jetzt einmal im Kreis drehen, weil die Welt so schön ist:
Quelle und Baum -  Ursprung des Lebens Jesus am Kreuz Kirschbaum in voller Pracht, Blick auf die Donau

Angekommen im Garten spazieren wir mit nackten Füßen, freiem Oberkörper und äußerst gelassen, die wärmenden Sonnenstrahlen einfangend, durch den (etwas blaustichigen) Blumengarten.
Tulpen zu Ostern 1 Osterglocke zu Ostern 2 Osterglocken zu Ostern

Post scriptum und nachträglich: Frohe Ostern!

Selbstportrait-Galerie

Gespeichert unter: News — Attila @ 19:52

8.Bartbild 07-04-09 (aus ästhetischen Gründen gespiegelt)Ich habe eine kleine Sammlung von Selbstportraits aus der letzten Zeit zusammengestellt. Da jede Sammlung ein Thema braucht, habe ich mich für ein sehr nahe liegendes, weil mir ins Gesicht geschriebenes Thema entschieden:

Mein Bart und das Jahr
(oder rechts schauen)

1.April.2007

Radio Multikulti

Gespeichert unter: News — Attila @ 17:23

Meine Mutter hat in der Sendereihe „Wir sind Europa“ des Radio Multikulti ein Interview über ihr Leben fern der Heimat gegeben. Sie ist in Ungarn geboren und lebt nun seit über 30 Jahren in Berlin.

Zum Interview

Budapest macht krank.

Gespeichert unter: News — Attila @ 17:17

Also zumindest mich alle 2 Monate physisch. So lag ich die letzte Woche wieder im Bett und konnte nichts tun, als schlafen. Woran es liegt, weiß ich nicht. Ich schätze, es ist schon die andere Stadt, ungewohnte Bakterien und dreckigere Abgase. Halb so wild, würde ich sagen, wenn ich nicht Donnerstag meinen Chorauftritt verpasst hätte.

Aber jetzt geht es mir wieder gut und inzwischen ist der Frühling auch da! Es ist also Zeit an die frische Luft zu gehen und Sonne zu tanken. Außerdem pulsiert die Stadt mit verschiedensten Festivals. Da ist das Frühlingsfestival (Klassik), dann das Táncháztalálkozó (Ungarischer Folk), das Fringe Festival (Jazz and More) und vermutlich jede Menge anderer von denen ich nicht einmal weiß. Mein Eindruck: Budapest im Frühling fängt an zu leben, wie wird das erst im Sommer. Da gibt es keine Zeit für Krankheit! Lt Statistik habe ich nur noch Zeit für eine Krankheit, also lasst uns die Zeit nutzen!

Ich gehe jetzt genießen!

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