Attila Fritzsch in Ungarn!

12.März.2007

Party

Gespeichert unter: Beobachtungen — Attila @ 1:38

Um mal einen kleinen Eindruck in das Erasmusleben zu geben, habe ich hier einige Foto (von, wie immer, schlechter Qualität) vom Donnerstagabend.

Es ging los mit dem „hungarian evening“, wo der ausgeschenkte Palinka einigen Amerikanerinnen schon die Beine unter den Füßen weggezogen hat. Das Bild zeigt die Versammlung, um einem Tanzpaar beim ungarischen Volkstanz zuzuschauen.

Vorführung ungarischer Volkstanz beim

Von da aus ging es geradewegs zu einer dieser berühmt berüchtigten „Flatpartys“. Als wir da ankamen waren schon knapp 30 Leute da, wir waren nochmal 20 und es kamen später noch mehr. Hier ein Foto aus der Küche (ja, die besten Partys gibt es immer in der Küche, auch weil ich so den Striptease verpasst habe).

Aus der Küche einer

Nun könnte man ja behaupten, das sei wie bei uns in Berlin, wenn wir wiedermal eine unserer WG-Partys machen, aber der Unterschied liegt in dem excessiven Alkoholgenuss und dem Sprachenkauderwelsch, in der darauf beruhenden Oberflächlichkeit der Gespräche und einem nicht auszuhaltenden Lärm- und Qualmpegel.

Es war eine Dreier-WG, aber nur ein Raum war zur Verfügung gestellt worden. Nun muss man sich mal vorstellen, dass doch tatsächlich 70 Menschen in diesem Zimmer standen und sogar tanzten! Zum Glück bin ich nicht der Statiker, der dieses Haus gebaut hat, sonst hätte ich richtig weiche Knie gekriegt. und zum Glück war ich in der Küche.

Besonders lustig wurde es, als wir dann alle so gegen 4 wegen drohender Ruhestörung vorsorglich rausgeschmissen wurden (Der arme Portugiese, dessen gemütliche Geburtstagsparty es eigentlich werden sollte, war ganz blass und müde).

Vor dem Haus bildete sich innerhalb von Minuten ein Menschenauflauf ähnlich einer Straßendemonstration. Und wie große Menschenmengen eben sind (id est träge, unentschlossen und schwierig zu führen), standen wir dort auch noch eine gute 3/4 Stunde rum. Hier zwei Beweisfotos:

Afterparty auf der Straße Nahaufnahme zum Leidwesen der Schärfe

Der Mob machte sich irgendwann lauthals und geschlossen auf den Weg in eine Disco. Allerdings wurden wir an jeder Straßenecke weniger, bis ich zum Schluss noch mit zwei handvoll Leuten am geplanten Ziel ankam. Das „Livingroom“ war aber gerade am Schließen und wir verloren auch noch die zweite handvoll. Nach einigen weiteren Einigungsversuchen gingen wir dann auch selbst verloren.

Fazit: Auch wenn ich inzwischen so gut wie gar nicht mehr über Partys berichte, sind sie doch ein fester Bestandteil meines Alltags und so negativ ich auch über diese Zusammenkünfte berichten möchte, so wichtig sind sie mir auch. Alles andere wäre gelogen. Man trifft immerhin Menschen aus der ganzen Welt, einige Beispiele:

  • Ein australischer Jurist, der zufällig bei einer Europatour vor einigen Jahren in Budapest hängen geblieben ist, weil er einfach keine Lust mehr hatte, weiter zu reisen. Und nun natürlich wegen einer Frau einen Job in Budapest annehmen wollte. Nachdem er mit der vermeintlichen Bestätigung des Jobs in der Tasche sein Ticket von Australien nach Budapest gebucht hatte, kommen direkt hinter einander 2 Mails: 1. „Wir werden unsere Kanzlei in Budapest doch nicht eröffnen und benötigen somit ihre Arbeitskraft nicht.“ 2. „Jetzt da du für länger hier sein wirst, muss ich dir sagen, dass ich bereits einen festen Freund habe.“ Ich habe ihn das erste mal in Anzug und Krawatte kennengelernt, da er gerade zuvor noch ein Bewerbungsgespräch hatte.
  • Ein Deutscher auf der Durchreise: Er plant 2 Jahre, um nach Indien zu laufen und ist davon schon 2 Monate in Budapest versackt: „Es ist eine geile Stadt.“ Am Abend unserer Bekanntschaft hatte er 5 Frauen um sich rum, die alle andächtig seinen Geschichten lauschten. Na die werden sich wundern, was der Knabe zu berichten hat, wenn er erst einmal durch Kasachstan durch ist. Achso, er ging an dem Abend nicht alleine nach Hause.
  • Eine Engländerin mit indischen Vorfahren hat sich in die ungarische Sprache verliebt und lebt nun hier, um ungarisch zu lernen. Nach einigen Worten musste ich erschrocken feststellen, dass man in 1,5 Jahren auch etwas mehr hätte lernen können.
  • Eine Irin, ein Engländer und ein Amerikaner (klingt wie ein Anfang von einem Witz), die in einer Kneipe an einem Tisch sitzen und sich bauchhaltend ihre Sprachunterschiede vergegenwärtigen. Die Irin meinte zu mir: „Dein texanisch-deutscher Akzent ist echt einmalig.“ Sie waren übrigens alle drei in Budapest, um als Sprachlehrer für englisch ausgebildet zu werden.
  • Eine Jazzband, die bis auf den Bassisten alle Ausländer waren. Sie waren alle Lehrer für irgendwelche Sprachen. Auf die Frage, wieso sie in Budapest waren, hatte allerdings keiner eine Antwort.

Einwas hatten aber bisher alle gemeinsam: Keiner konnte sich vorstellen in Budapest zu bleiben. Sie waren lediglich für eine gewisse Zeit hier, auch wenn dieser Ausspruch sehr dehnbar scheint. Immerhin genießen alle die Station Budapest in ihrem Zug des Lebens, auch ich.

Zum Schluß: Je mehr Menschen und ihre Schicksale man aus der Welt kennen lernt, um so kleiner scheint diese, unsere Welt zu werden.

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