Attila Fritzsch in Ungarn!

28.Februar.2007

Unfall, zum Glück kein vollständiger Umfall

Gespeichert unter: News — Attila @ 20:20

Es ist etwas schreckliches passiert!

Gestern hatte ich zusammen mit ein paar Franzosen eine Jamsession, dazu habe ich meinen Kontrabass mitgenommen, da es eine Jazzjamsession werden sollte. Dieser war seit Erwerb nicht mehr an der frischen Luft gewesen und freute sich riesig auf das Gespieltwerden.

Nun kommt das Schreckliche. Da mein Kontrabass nicht gut angezogen war (ich habe ihm nur eine billige Hülle gekauft, um an Geld zu sparen) und nicht ausreichend Griffe an seiner Kleidung waren, habe ich beim erneuten Umgreifen (der ist echt schwer auf Dauer) daneben gegriffen.

Er fiel nur knappe 40 cm und nicht mal ganz, sondern nur die eine Ecke. Ich habe heute den größten Teil der Uni verpasst und meinen Freund gepflegt so gut ich konnte. Mein Kontrabasslehrer, der, mit der Hoffnung ihn ambulant behandeln zu können, sofort vorbeikam, sagte, dass man ihn aufmachen muss und von innen nähen (d.h. kleben und Klötze gegenkleben, damit der Riss nicht weiter aufreißt).

Kontrabass Schaden Kontrabass Schaden nah
Kontrabass Schaden Frontalansicht Kontrabass Schaden Rückwandablösung

…und die Moral von der Geschicht’: Ein Kontrabass ist wie ein Ei und teuer wie ein Auto.

Glück im Unglück: 1.) Es hätte schlimmer kommen können. 2.) Der Kontrabassbauer checkt gleich noch die Innereien, um den Klang zu optimieren. 3.) Es hätte schlimmer kommen können.

Fakt ist: alle meine teuren „Spielsachen“ leiden unter ihrer ersten Benutzung durch mich. Es ging z.B. jedem meiner Fahrräder so, dass sie bleibende Narben von meinem ersten Ausflug bekamen.

Fakt ist (hoffentlich): Es bleibt normalerweise der einzige Schaden. Allerdings habe ich (nun) von vielen Seiten gehört, dass ein Kontrabass so pflegebedürftig und anfällig ist, wie ein alter Kleinwagen (aka Trabant).

Auf lange Sicht ist ihm nichts passiert, ärgerlich ist wirklich nur, dass ich nun weitere 2 Wochen auf meine erste Ungarische-Volksmusik-Band-Probe warten muss, die eigentlich für heute angesetzt war. Naja, nun gehe ich ins Béke Bíró zu französischem Zigeuner Jazz (aka Django Reinhardt Revival) und eins/zwei Bier, um zu vergessen, dass mein kranker Freund am Freitag wegen mir eingeliefert wird und wir 2 Wochen getrennt sind.

18.Februar.2007

Winterschlaf

Gespeichert unter: News — Attila @ 0:49

Da bin ich wieder!

Es macht keinen Sinn das Geständnis meiner Niederlage weiter hinauszuzögern. Ich hatte doch zwischendurch tatsächlich vor mich der Niederlage durch Niederlegen des Niederschreibens zu entziehen, aber nun knie ich nieder und bitte um Vergebung. Ich werde meinen Blog weiterschreiben und es gibt jetzt auch allen Grund dazu!

Letzte Woche hat mein neues Semester begonnen und das mit Pauken und Trompeten! Ich habe nur noch Kurse auf Ungarisch und muss Lob an die Professoren richten, die ich nun habe. Dies tue ich am besten mit einer kleinen Anekdote:

Es ist Montag 17:00 Uhr; Nemlineáris és kaotikus rezgés (Nichtlineare und Chaotische Schwingungen) ist das Thema. Mir schlottern die Knie, wie soll ich das nur jemals verstehen? Dieses Thema ist haarig genug ohne die Barriere der Sprachkenntnis. Es ist ein kleiner Klassenraum, als ich reinkomme sitzen ca. 30 Leute auf ihren Plätzen und unterhalten sich, wie sie das immer in diesen Nachkriegsfilmen zeigen. Ich wähle also den letzten freien Platz und setze mich wortlos. Mit schweißigen Fingern bereite ich meinen Tisch vor, wie ich es immer tue (In die Mitte vor mir einen Stapel loses, weißes Papier; rechts daneben meine Kugelschreibersammlung für den Fall, dass einer alle geht; links mein mit dem Gesicht nach unten zeigendes Ungarisch-Deutsch-Deutsch-Ungarisch-Wörterbuch mit den 30.000 wichtigsten Vokabeln) und erwarte neben dem Professor den Beginn des zweiten Semesters in Budapest.

Es wird ein hartes Semester, ich habe es mir so ausgesucht! Zusätzlich zu den 6 Kursen, die ich besuche, mache ich auch eine Art Studienarbeit, bei der ich am Institut für Strömungslehre mitforschen darf. Im letzten Semester habe ich gelernt, dass in Budapest das Studium auf ungarisch viel härter ist, als auf englisch, aber: Wer nicht hören will, muss fühlen!

Der Professor kommt nicht, dabei ist es schon Viertel nach!

Rückblick auf den Tag, der schon hinter mir liegt: Da ich die ganze letzte Woche wie viele Ungarn mit einem Influenza im Bett lag, fiel meine ganze Semesterplanung auf diesen Tag. Ich bin seit 8 Stunden auf den Beinen und in der Uni und renne von Institut zu Institut, um herauszufinden, wer was unterrichtet und wann. Es begann mit einem Gespräch bei der studentischen Studienfachberatung, weiter zur Mechanik, Strömungstechnik, Hydraulik und Pneumatik, Gebäudeakustik, Gebäudestatik, Psychologie, Ergonomie etc. danach ein erstes Treffen für mein Forschungsprojekt und die Abgabe des Stundenplans beim International Education Center. Nachher geht es noch zum Chor. Es soll alles in allem ein 13 h – Tag werden.

Aber vorerst warte ich noch auf den Prof, der dann natürlich auch kommt. Er hat einen riesigen Stapel Bücher in der Hand und beginnt erst einmal über Auslandspraktika zu reden. Danach stellt er die Bücher, als semesterbegleitendes Material vor (liest eigentlich wirklich jemand sooo viel Fachliteratur…) und dann geht es rein ins Thema…

So nach einer dreiviertel Stunde überkommt mich ein merkwürdiges Gefühl. Ich werde nervös und es bildet sich Schweiß auf meiner Stirn. Mein Gesicht verzieht sich zu einem angestrengten Grinsen und alle meine Muskeln in meinem Körper signalisieren mir: „Steh auf!“. Mein Puls steigt und mein Gehirn schüttet Adrenalin aus. Alles in mir will mich zu einer Tat zwingen: Aufstehen und laut und deutlich dem Professor sagen: „Ich verstehe Sie, ich verstehe alles, bitte hören Sie nicht auf zu reden!“

Ich freu mich auf mein zweites Semester!

Der letzte Monat, indem ich nicht geschrieben habe, war (neben viel nettem Besuch) voll von Krankheit, Heimweh und Kulturschock. Ich bin wirklich sehr froh wieder einen Alltag zu haben und mein Gehirn füttern zu können.

Der Rest der Woche verlief wie üblich: Uni (Stundenplan folgt), Party (Die: Get2Know, Don: ungarisches Tanzhaus, Fre: Mentormeeting und Westbalkan), Singen (Mon und Fre Probe, Don: kleines Konzert mit Solo) , Kontrabass (2,5 h Unterricht sind es inzwischen die Woche, dazu später mehr), Schlafen (kein Kommentar).

Es ist komisch neue Austauschstudenten zu begrüßen, man fühlt sich plötzlich so heimisch. Es ist vertraut und das tut gut.

Wochenbilanz: Perfekt! (und das war echt wichtig, um wieder zwei Beine auf den Boden zu bekommen)

Morgen fahre ich zum alljährlichen Volksfest in Mohács an der kroatischen Grenze. Das sollte das erste Bild seit einem Monat doch abrunden, oder?

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