Attila Fritzsch in Ungarn!

16.November.2006

Auftritte und Proben

Gespeichert unter: News — Attila @ 16:13

Das war eine richtige Musterhalbwoche (keine Halbmusterwoche, ich bitte das zu bedenken)!

Es fing an mit einer Präsentation meines Projekts in Structural Analysis. Die Dozenten waren so überzeugt von unserem Fortschritt, dass sie uns am liebsten 110% gegeben hätten. Ohne mich aufzuspielen, kann ich sagen, dass das allein mein Verdienst war (Mein Kollege hat kein Wort gesagt).

Generalprobe zum Verdi Requiem in der zeneakadémia Generalprobe zum Verdi Requiem in der zeneakadémiaDanach furchtbare (gutes Zeichen) Generalprobe und wunderbare (der Lohn) Aufführung des Verdi Requiems. Die Akustik in der zene akadémia ist beeindruckend. Der Chor hat so leise gesungen, wie noch nie und es kam im Publikum trotzdem und gerade deshalb an (weiß ich nur vom Hörensagen, da ich ja nicht im Publikum saß, sondern die ganze Zeit auf der Bühne stand (es gab dort aus Platzmangel keine Sitzplätze für die Männer)). Nachteil, wie bei allen akustisch großartigen Räumen: Man hört sich selbst nicht. Aber ich hatte richtig oft Gänsehaut und wollte, als die letzen Takte erklangen, gar nicht mehr aufhören. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn die Zeit, die der Dirigent vorgibt, einen einholt und mitschwemmt.

Danach war ich (endlich mal) mit ein paar Ungarn aus dem Chor ein Bierchen und Glühwein trinken. Ich habe das Gefühl, endlich auch in diesem Chor aufgenommen zu sein.

Auftritt mit JAM in GyöngyösKonzert mit JAM in GyöngyösDienstag ging es nach Gyöngyös zu zwei Aufführungen mit dem Jazz-Chor vor Schülern. Es war eine riesige Bühne, allerdings jede Menge Schülerpublikum. Im Bus kurz vor dem Konzert wurde mir aufgetragen, so viele Stücke wie möglich mitzusingen, da der Tenor mit 2 Personen reichlich unterbesetzt war. So sang ich unbekannter Weise (und als einziger mit Noten) bei 5 Stücken mit. Die anderen durfte ich am Klavier stehend und blätternd miterleben. Also habe ich (bis auf einige Ausnahmen, siehe Fotos) Mitagessen mit JAMdurchweg auf der Bühne gestanden. Ich bin sehr stolz auf mich. Ich habe mir einige Leute geangelt, die mir die Choreographien beibringen, damit ich noch mehr Stücke mitsingen (und tanzen) kann. Das erste Konzert war ein richtiger Erfolg und die Schüler zwischen 10-14 waren begeistert. Sie haben sich sogar Autogramme geben lassen. Das zweite Konzert war von unserer Leisung her viel besser, aber es ist sehr schwierig 200 pupertierende Schüler zu beeindrucken. Und somit mussten wir mit Zurufen wie: „Wann ist das denn endlich vorbei?“, oder „War das das letzte Stück?“ kämpfen. Naja, dafür haben die keine Zugabe gekriegt!

Asiatische Sitten und Abendbrot mit dem BME ChorAsiatische Sitten und Abendbrot mit dem BME ChorDienstag Abend hatte ich das erste Treffen der Tänzer für Indonesien. Es ging los mit einem reichlichen, indonesischen Mahl und jede Menge Sittenerklärungen in einem „Tempel“. (Deshalb in Anführungsstrichen, weil es zwar die Funktionen eines buddistischen Tempels erfüllte, aber aussah, wie ein gefließtes Wohnzimmer mit Altar.) Dazu gehörte unter anderem die strickte Geschlechtertrennung beim Essen und beim Beten (Ja wir mussten/durften mitbeten.) Um dort mittanzen und Altarnach Indonesien fahren zu dürfen, mussten wir in den Kreis aufgenommen werden und haben an einer Zeremonie teilgenommen. Als Dank bekamen wir 3 „Geschenke/Gaben“ (mir fehlt das Wort, aber ich meine nichts Materielles), die allerdings unter allen Umständen geheim bleiben müssen. Ich habe sogar einen Ausweis bekommen, dass ich nun Mitwisser dieses Geheimnisses und Mitglied bin. Sie sagten, dass ich mit diesem Ausweis überall in der Welt bei solchen Tempeln wenigstens ein warmes Essen kriege. Wir werden jetzt ab Anfang Dezember jeden Dienstag Csárdás tanzen und außerdem einen Technotanz (oder so) und einen traditionell indonesischen lernen. Ich bin gespannt.

Gestern war ich nach der Uni noch beim Kontrabassunterricht, der jetzt erst einmal E-Bassunterricht ist, da ich noch keinen Kontrabass habe. Aber es war sehr spannend und mein Lehrer ist ein echt sympatischer Kerl. Nachdem wir 1 1/2 Stunden geprobt und gequatscht haben (also länger als die bezahlte Stunde (1500 Forint)), haben wir noch auf dem Balkon (die Probe war bei ihm zuhause) ein Bier und je zwei Zigaretten verdrückt. Ich hatte vorher noch überlegt, vielleicht das Kontrabass spielen aus Zeitgründen zu lassen, aber ich glaube, dass das richtig gut werden kann (wenn ich nur auch regelmäßig übe…).

Ich werde, wenn ich zuhause bin noch einige Fotos einfügen. Das wird allerdings erst morgen etwas, da heute abend wieder mal ein Pub-Evening mit den Erasmusens ansteht. Achso, ich habe morgen frei. Zum Glück!

Kleine Dinge 04

Gespeichert unter: Beobachtungen — Attila @ 12:32

Das kleine grüne Buch erzählt:

  •  “r“ mit 3 Zungenschlägen (Bei der Generalprobe zum Verdi Requiem sagte der Dirigent zum Chor, er solle doch nicht so viel „r“ (das Zungenrollen-“r“) in das Wort „Requiem“ legen. Er meinte, ein richtiges ungarisches „r“ (und das ist genau das, was man beim singen auch braucht) habe genau 3 Zungenschläge. Ich habe es ausprobiert, er hat recht! Mit weniger Hüpfern geht es nicht und mit mehr klingt es komisch.)
  • Atemdampf im Nachtbus (die Busse sind hier anscheinend nicht alle geheizt, was verständlich ist, schaut man sich einmal die Türen genauer an. Die sind am Rand bei der Gummidichtung voller Löcher. Allerdings ist mir ein zu kalter Bus lieber, als ein (wie normalerweise hier) viel zu überheizter Bus. Die Heizungen sind nämlich bei den Füßen und ich hatte schon sehr oft das Bedürfnis meine Schuhe auszuziehen.)
  • Ungarn kennen es nicht, wenn jemand ihre Sprache „fremd“ spricht. (Es ist doch so, dass kaum einer ernsthaft ungarisch sprechen lernt. Mir passiert es immer öfter, dass Leute zu mir meinen, es sei so schön, wie ich die Sprache auf den Kopf stelle und dass sie das überhaupt nicht kennen. Die meisten Ungarn diskutieren sehr gerne über ihre Sprache und die Herkunft und Bedeutung der Worte und Redewendungen.)
  • Es erkennt kaum einer sofort, dass ich nicht Ungar bin. (Letztens musste ich sogar meinen Perso zeigen.)
  • Ungarn haben bisher auf jedem Konzert rhythmisch geklatscht und das schon beim ersten Verbeugen und das ohne Zugabe. (Wenn ich anfange rhythmisch zu klatschen, dann erwarte ich doch auch eine Zugabe. Hier ist es eher Usus für ein gutes Konzert in ein Gleichklatsch zu verfallen. Eigentlich kann ich das ja überhaupt nicht leiden, aber es hat eine schöne Dynamik, wenn sie gemeinsam schneller und langsamer werden.)
  • Es kann beim Wangenkuss immer nur einer die Wange wirklich küssen. (…)
  • Mit Stäbchen essen, danach die Suppe. (Ich habe mich oft gefragt, wie Chinesen auch das letzte Reiskorn aus ihrem Schälchen kriegen, ohne vor Fummelarbeit einen Wutausbruch zu bekommen. Sie essen erst den Hauptgang und spühlen hinterher den Rest mit einer klaren Suppe aus. Das erklärt auch, wieso die Suppe damals in Peking so eine wässrige war, sie hat nicht den Sinn den Appetit anzuregen, sondern lediglich eine Wasch- und Nachspühlfunktion.)
  •  Eine These: das deutsche „ß“ und das ungarische „sz“ sind verwandt.

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