Attila Fritzsch in Ungarn!

12.November.2006

Jetzt geht’s los!

Gespeichert unter: News — Attila @ 17:41

Da ist es also: Endlich habe ich einen guten Tagesrhythmus und richtig was zu tun. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass ich nichts anderes kann als schlafen, auch wenn es, nach diesem Blog zu urteilen, anders aussah. Jetzt gibt es endlich was zu tun für die Uni und meine musikalische Nachmittags- und Abendgestaltung organisiert sich von selbst. Dazu kommen immer mehr echt nette Leute, mit denen man lachen, trinken und diskutieren kann. Die letzte Woche war ich auf 4 verschiedenen ERASMUS-bezogenen Veranstaltungen. Wieso diese komplizierte Ausdrucksweise? Es haben inzwischen viele ERASMUS-ler begriffen, dass man auch mit nur, sagen wir, 30 Leuten eine Party machen kann. Von mir unbemerkt haben sich Grüppchen gebildet, die einander gut leiden können. Im letzten Moment bin ich also doch noch auf den ERASMUS-Zug aufgesprungen und habe mir einige Leute gesucht, die hauptsächlich Deutsche und Franzosen beinhalten.

Die erste Party war am Montag ein sehr angenehmer Pub-Evening, bei dem ich über alles Mögliche geredet habe, allerdings ging es vor allem um Musik. Dadurch, dass ich über den Emailverteiler mein Konzert am Vortag bekanntgegeben habe, wusste jeder, auch die nicht da waren, von meiner Affinität zu Musik. Es kamen ca. 20 Leute zu meinem Konzert, und die fanden es alle ausnahmslos gut. Zwar war das Verdi und den ca. 300 Konzertanten zu verdanken, aber irgendwie blieb der Erfolg an mir als Urheber haften. Soll mir recht sein.

Am Mittwoch habe ich die ersten 2 ERASMUS-Studis in meiner Bude gehabt. Wir haben Buletten für das am Donnerstag folgende International Dinner gemacht. Meine Wohnung riecht immer noch nach Bratfett!

Donnerstag war dann der Dinnerabend. Wir haben gesungen, getanzt, gequatscht und was am schönsten war: Gegen Ende hat sich eine kleine Gruppe abgesondert, um sich mit Wodka-Apfel zu besaufen. Ich bin zufällig auf sie gestoßen, weil ich meine Gitarre unter dem Dartspiel wegretten wollte. (Jedes Land musste seine Speisen vorstellen und ein Lied singen. Ich war für das Lied zuständig und habe ein unanständiges Lied über „Laufen, Essen und Stricken“ ausgewählt und mit der Gitarre begleitet.) Also wie auch immer, so endete ich also rauchend, laufend und Gitarre spielend in einem Separee, wo die Gitarre und der Wodka reihum ging. Es hat riesig Spaß gemacht.

Freitag Nacht (nach der Chorprobe) bin ich auf die Geburtstagsparty von Marie (Französin, Architektur) und die war ebenso lustig. Wir haben bis gegen 5 Uhr getanzt. Besonders erwähnenswert war das Gespräch mit Yair (Israeli) kurz bevor die Saufspielchen losgingen. Wir redeten über, na was wohl: Nazis, Juden, Budapest, Nationalität und Schuldbewusstsein etc. Aber es war sehr interessant seine Sicht auf die Dinge zu erfahren, vor allem, weil sie sich, seit dem er in Europa weilt, drastisch geändert hat. Die Quintessenz des Ganzen war, dass alle Menschen gleich sind und tolerant sein müssen.

Gestern Abend folgte das nächste Verdi Requiem. Es fand in Töröntbálint statt, das ist ein Vorort von Budapest und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen (Auto: 15 min; Bus: 45 min). Dort sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht! Ich lerne allmählich das berliner BVG-Netz zu schätzen! Zwar fahren in Budapest auch sehr viele Busse sehr regelmäßig, aber sie sind einfach zu langsam, um die Stadt zu erschließen. Die 3 (bald 4) Metrolinien und die 2 HÉV-Verbindungen nützen da nicht viel. Wenn ich in Berlin so langsam vorwärts käme, wie hier, dann wäre es nie möglich gewesen in Tiergarten zu studieren und im Prenzl’ Berg zu leben. Das Konzert fand in einer Turnhalle statt. Irgendwie kam bei mir keine Konzertstimmung auf. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich Zeit über Hustenanfälle und trockenen Hals während eines Konzertes nachzudenken. Hoffen wir, dass es morgen in der Zene Akadémia ein würdiges Abschlusskonzert wird.

Gerade sitze ich, wie in all meiner Freizeit, die bleibt, an den Programmieraufgaben. Das Schlimme ist, dass jede Neuberechnung des Problems seine 15 min braucht, da wird man doch nie fertig. Ich weiß, dass die Ingenieure jetzt sagen, dass ich doch einfach erst alle Kräfte, Momente, Rand- und Zwangsbedingungen einstellen sollte, bevor ich es rechnen lasse, aber es ist eben verflixt. Man denkt, man hat es jetzt und wenn dann die bunten Bildchen folgen, sieht man, dass dies und jenes so nicht geht. Nette Sonntagsbeschäftigung!

Um eine Konklusion zu ziehen: Das Leben hier gefällt mir! Auch wenn ich mich schon auf einige richtige, frisch gezapfte Berliner mit meinen Freunden dran freue.

und am 7. Tage sollst du ruhen

Gespeichert unter: News — Attila @ 17:20

Eine kleine Zusammenfassung zum angekündigten letzten Sonntag.
Studioaufnahmen JAMDie Aufnahmen dauerten nicht, wie geplant, 1 sondern ganze 4 Stunden. Das Absurde ist, dass wir ein Amateurchor sind, aber wie Professionale arbeiten (sollen). Man stelle sich alleine mal vor, was so ein Tonstudio die Stunde kostet.

Aufnahmen JAMDie Aufnahmen waren für eine Musicalproduktion, meines Wissens nach auch Amateure. Aber es hat (mir – andere waren echt verärgert) richtig viel Spaß gemacht. Jeder Chorsänger hat seine eigenen Kopfhörer bekommen, um auf das Playback aufzusingen. Zuerst haben wir alle stimmen zusammen aufgenommen, dann die Frauen extra und dann die Männer. Das dauert eben seine Zeit.

Ich war dort gegen 15.30 Uhr fertig und musste um 15.30 Uhr zur Generalprobe vom Requiem. Dazwischen habe ich noch etwas gegessen und bin (wie immer) zu spät gekommen, war aber nicht schlimm. Nach etlichen Problemen, mit der Sitzverteilung ging das Konzert super über die Bühne. Nach bestimmt 10 Gänsehautattacken, wollte ich überhaupt nicht, dass es endet. In den letzten Takten kurz vor dem Schluss ist es, als würde eine Welt zusammenbrechen. Man erwartet das Ende und hofft doch es kommt nie. Das hat etwas transzendentes! Danach war ich noch mit einigen der anwesenden ERASMUS-Leute ein Bierchen trinken.

Am Montag habe ich das erste Mal  die Vorlesung (unbewusst) verschlafen.

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