Attila Fritzsch in Ungarn!

26.Oktober.2006

Kleine Dinge 03

Gespeichert unter: Beobachtungen — Attila @ 11:39

Das kleine grüne Buch erzählt:

  • Misverständnis: Sok kis hal – Csokis hal (Die Feinheiten der ungarischen Sprache, bedeutet: viele kleine Fische (sprich: Schok kiesch hal), oder Schokoladenfisch (sprich: Tschokieschhal)
  • Ich habe immer noch keinen einzigen Linux-/Unixrechner an dieser Uni gesehen. (Alle Rechnerpools, die ich kenne, sind Windowsrechner.)
  • Es gibt hier doch tatsächlich Professoren der Numerischen Strömungslehre, die auf Exel und Visual schwören. (Ich dachte das machen nur BWLer!)
  • Ich habe meine eigene Kaffeefrau! (Wenn ich in ihren Imbiss komme, springt sie, egal wie lang die Schlange ist, auf und macht mir einen Espresso ohne alles. Wenn ich es passend habe, gehe ich sogar nach vorne und bezahle gleich! Nachteil: Ich kann kein Szendvics (Sprich: Sandwitch) ohne Kaffee haben, oder ich muss woanders hin.)
  • Wenn man aus dem Fahrstuhl aussteigt, dann grüßt man immer einen schönen Morgen/Tag/Abend/Nacht. (Es ist, als hätte man sich im Fahrstuhl schon so gut kennen gelernt, dass man sich nicht mehr ignorieren kann.)
  • Ein Trupp Bayern, dem ich Nachts den Weg gewiesen habe, hat mich als „oartskundik“ (oder so) bezeichnet. (Ist doch eine Ehre, auch wenn es Bayern sind.)
  • Viele Ungarn zahlen ihre Rechnungen auf der Post und zwar in Bar. (Wenn man dort selbst bezahlen will/muss, wartet man ohne Probleme 1,5 bis 2 Stunden in einer Schlange von Leuten mit mörderisch viel Geld in ihrer Hand. (Ich habe mit Karte gezahlt))
  • Mein Lieblingsfüllwort: Gyakorlatilag ((sprich: djakorlatilag) heißt praktisch. Der Vorteil des ungarischen Wortes: Es hat 5 Silben, also echt viel Zeit seine nächsten Worte zu planen.)
  • Der Unterschied zwischen: roban, ropan, robog und ropog (ist mir ein Rätsel, oder wenigstens kann ich mir es einfach nicht merken.)
  • Ein Brief nach Dtl. kostet 200 Forint, lass ich ihn registrieren kostet es weitere 550 Forint. (Lass ich ihn allerdings nicht registrieren ist es, laut allen Befragten, ein Brief, der, wenn er nicht verschollen geht, doch wenigstens geöffnet wird.)
  • „Warum gibt es Tauben in der Stadt? Ist doch viel schöner auf dem Land.“ (Zitat David)
  • Erkläre mir jemand den Unteschied zwischen Tehetetlenség (Vorlesung) und Tehetségtelen (Wörterbuch).
  • Viele meiner Mahlzeiten sind massiv von Entscheidungen aufgrund von Sprachdefiziten geprägt. (Ich nehme immer das einfachste Menü, obwohl man durchaus frei wählen könnte. Das Problem ist nicht das Bestellen, sondern die komplizierten Fragen, die der komplizierten Bestellung folgen: „Reis mit oder ohne Ei“ ist eine der Leichteren. All mein Ungarisch geht in stressbehafteten Situationen einfach spazieren, dann eben nur Eintopf!)
  • Ich war auf dem Kossuth tér. Dort gibt es tatsächlich industriell hergestellte Ungarnfahnen mit Loch (abgenäht). (Da soll nochmal einer sagen, der Kapitalismus kann nicht aus jeder Situation seinen Vorteil ziehen.)
  • Elnézést kérek – Ich möchte, dass sie wegschauen (-> eigentlich: Entschuldigen sie bitte.)
  • Die Franzosen auf dem Pragtrip hatten alle das Messer links und die Gabel rechts. Die Amerikaner eben so, nur ohne Messer. (Ich stelle die These: Essensarten sind national bedingt.)
  • BWLer These: In der deutschen Weißwurst sind 10% Gehirn enthalten.

(Miese) Begegnungen

Gespeichert unter: Beobachtungen — Attila @ 11:06

Man wird hier prinzipiell viel seltener angemacht, als zu Hause, aber wenn dann richtig.

  1. Ein Sonnenblumenkerne fressender Schrank von Mann steht mit mir gegen 22.00 Uhr an der Bushaltestelle. Dieses Knacken, dann Spucken und wieder Knacken. Es ist sonst niemand zu sehen. Man hört nur den dumpfen Strassenlärm. Gelbes Strassenlaternenlicht beleuchtet seinen Haufen Sonnenblumenkernschalen. Plötzlich hört er auf. Das Knacken und Spucken ist auf einmal weg, ich traue mich nicht mich umzudrehen… zum Glück kommt der Bus.
  2. Das regelmäßige Treffen mit einem ca. 15 jährigen, zahnlosen, unzurechnungsfähig dreinschauenden Zigeuner (kein Rassismus, sondern eine Charakterisierung aufgrund der Hautfarbe), der mich jedes mal fragt, ob ich ein Handy brauche. Ich treffe ihn für gewöhnlich gegen 2.00 Uhr nachts an der Nachtbushaltestelle, unterhalte mich angestrengt freundlich mit ihm und er schwatzt mir jedes mal eins, zwei Zigaretten ab.
  3. Eine abgerissene Mitzwanzigerin schwatzt mich mitten am Tag durch die Zahnlücke an, ob ich nicht spenden wolle. Ich sage nein und gehe weiter, sie bleibt hartnackig und verwickelt mich in ein Gespräch. Sie erklärt, dass sie für die Kirche und bedürftige Spenden sammle und fragt mich wieviel ich spenden will. Ich habe mich breit schlagen lassen und sage 200, gebe nach weiteren 2 min 400 und bekomme ein Buch über die Herrlichkeit göttlicher Erleuchtung. Eigentlich war sie (im Nachhinein betrachtet) echt nett.
  4. Der typische Penner, der hier nicht wie in Deutschland auf dich zukommt und bettelt, sondern einfach bemittleidenswert zusammengekauert in der Ecke sitzt und wortlos die Hand raushält; Kopf geneigt und auf 5 m stinckend. Gelegentlich gebe ich ihnen etwas, man weiß ja nie wo man mal landet.
    1. Besonders auffällig ist eine, die morgens mit einem kaum erkennbaren Foto eines Kindes vor der Straßenbahnhaltestelle auf der Treppe sitzt. Jeden Morgen!
    2. Und eine fette Mitfünfzigerin, die vor allem an Wochenenden und Abends am Fuße der Rolltreppe zur Metro sitzt, ihr gelangweiltes Kind (ca.8) wahlweise auf dem Schoß oder abseits spielend, und furchtbar Mundharmonika spielt. Ansonsten gibt es sehr wenig Musiker, vor allem nichts Vergleichbares zu den U-Bahnmusikanten in Berlin.
  5. Der seltener in Erscheinung tretende, typische Zigeuner(-Innen seien jetzt wortlos mit eingeschlossen) geht wohlbemerkt anders vor. Kurz bevor er dich erreicht schiebt er die Unterlippe vor und presst sich einige Tränen in die weit aufgerissenen Augen. Dann stammelt er etwas (das ist echt schwierig, die zu verstehen), man schüttelt den Kopf, ein kurzes hasserfülltes Augenbrauenzucken oder ein kleiner Kommentar und dann entspannt sich das Gesicht. Verfolgt man seinen weiteren Weg so erkennt man eben dieses Vorgehen. Unangenehm ist es nur, weil die Leute in Ungarn eine kleinere Privatzone gewöhnt sind als ich Berliner und somit der Abstand zum Bettler manchmal auf wenige Zentimeter schrumpft.
  6. Zum Schluss noch meine Topstory. Gestern habe ich meinen ersten Kleberschnüffler gesehen. Er stand gegen 19:00 Uhr mit mir und einer netten Frau an der Straßenbahnhaltestelle und torkelte mit einer Tüte mit Flüssigkeit drin hin und her. Es dauerte eine Weile, bis er die Frau (gut aussehend, Ende 30) erblickte und sich auf den Weg machte, sie anzusprechen. Er kam unglaublich Nah heran und redete auf sie ein, ihr seine Vorzüge als Mann zu erklären. Das untermalte er nach ca.3 min dann mit hochziehen des einen Hosenbeins bis zur Leiste und herunterziehen der Hose auf der anderen Seite bis unter seine Leistengegend, ohne sich allerdings voll zu entblößen. Ich habe die Situation beobachtet und mit der Frau Blickkontakt aufgenommen, dass ich auf ihrer Seite bin. Sie rückte näher ran. Am Anfang war es für uns beide noch belustigend, aber er kam ihr immer näher, bis auf sagen wir 10 cm Kopf an Kopf. Ich war wirklich bereit diesen Typen in die Schranken zu weisen, wenn er die Frau auch nur berührt hätte. Kurz darauf kam eine weitere Frau (etwas jünger, Ende 20, blond), die vollkommen seine Aufmerksamkeit raubte. Er machte sich mit ein wenig Kleberinhalieren (sah aus, als wollte er hyperventilieren) Mut und das Spiel wiederholte sich von vorne. Nun saßen wir also alle drei auf der Bank neben einander und er behakte uns weiter. Da fixierte ich ihn mit einem bösen Blick (so gut ich eben kann) und lies ihn nicht mehr los. Er begann auf mich einzureden, aber ich verstand sowieso nur Fetzen und dann kam auch schon die Bahn. Das war vielleicht gruselig!

25.Oktober.2006

Aufstände in Budapest

Gespeichert unter: Beobachtungen — Attila @ 20:37

Wie wohl allen bekannt ist, gibt es in Ungarn und besonders in Budapest Massenaufstände, die von den Ungarn als Revolution gehandelt wird.

Am Montag, dem 50ten Jahrestag der ‘56er Revolution, wurde ich von einem Telefonanruf meiner Tante geweckt, wo ich denn sei. Sie gab mir den Ratschlag lieber nicht in die Stadt zu gehen, worauf ich den Fernseher einschaltete. Es gab live-Bericht auf allen öffentlichen Sendern (mit je einer Kameraeinstellung).

Meinem Urteil als Demonstrations- und 1.Mai-erprobtem Berliner zufolge, ist es nicht so schlimm, wie es scheint. Die Demonstranten wissen nicht was sie wollen, sie wissen nur was sie nicht wollen. Und eben so die Regierung. Das ist also eine Pattsituation, die definitiv nicht mit dem Rücktritt eines Politikers erledigt ist. Es hat also noch Potential (etwas zynisch gesagt). Beängstigend finde ich, dass diese „Revolution“ von Rechts kommt.

Ich habe einen Blog ausfindig gemacht, auf dem man auf englisch die neuesten Ereignisse kritisch reflektiert/-end nachlesen kann.

http://riotsinhungary.blog.hu/

Für Lesefaule und Nichtenglischleser gibt es jede Menge Bilder und Videos.

Meinungen, Eindrücke und politische Stellungnahmen bitte als Kommentar dieses Beitrags kundtun.

Prag

Gespeichert unter: News — Attila @ 20:26

Tja, am Donnerstag entschieden und Freitag früh saß ich schon im Bus.

Wohl bemerkt nach einem sehr langen Donnerstag mit Chor und Party hintendran. Mein größtes Problem an diesem WE war, dass ich weder im Bus noch Zug vernünftig schlafen kann und das kann nach 12 Stunden Reise sehr anstrengend werde. Man bedenke die Verhältnisse: 20h Fahren und 54h Urlaub, macht grob gerechnet 2:5.
Marie, eine Französin, hat den Trip organisiert und aus Kostengründen den Bus nach Bratislava gewählt, um von dort aus mit dem Zug weiter zu fahren. Nachteil: eben diese 12 Stunden Hinfahrt!

Und in Bratislava kam die erste böse Überraschung, wenn man sich mal meine Umstände klar macht: David ist am Mittwoch zurück nach Berlin und ich habe Heimweh. Was sehe ich also am Bahnsteig (mal davon abgesehen, dass der Zug 3h vorher aus Budapest losgefahren ist und ich somit gute 6h mehr hätte schlafen können)? Das: Berlin Zoologischer Garten in Bratislava Allerdings fiel es mir nach weiteren 5h Zugfahrt nicht wirklich schwer Prag als mein Ziel anzunehmen, da Berlin noch 6h weg war! Nur Abends gegen 22:30 Uhr wurde mir etwas schlecht, weil dann der Zug gerade 5min von meiner Berliner Wohnung entfernt war.

Prag selbst war einzigartig! Ich war ja schon öfter in Prag auf der Durchreise (dazu zählen auch die Chorfahrtbesuche), um mal 1 oder 2 Bier zu trinken, aber tatsächlich dort Urlaub machen ist etwas ganz anderes. Vorallem weil wir hauptsächlich Architekten in unserem Trupp hatten. Wir waren am Anfang 11 Studenten Metrostation in Prag und zu Bestzeiten bis 18 glaub ich. Allerdings hielt sich der späterkommende Haufen seperat. Der Frauenanteil lag bei 2 aus 11 später 4 aus 18 Restaurant in Prag 01. Restaurant in Prag 02

Unser ungewählter Anführer war ein deutscher Manageranwärter mit dem ich mich gerne öfter in die Haare gekriegt hätte, wenn er es nicht geschickt zu verhindern oder überhören geschafft hätte. So habe ich oft mit einem kleinen Trupp ein alternativ Programm gemacht. Unter ihnen immer Manuel, ein französisch-deutscher Architekt, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe.

Diese Stadt weist lückenlos rekonstruierte Häuserfasaden auf, die ich so liebe Häuserfasade in Prag, links Gebäude von Frank Gehry. Kein einziges hässliches Sozialistenbauwerk verschandet das Stadtbild und das im Prinzip in der gesamten Innenstadt. Dazu kommt die wunderbare Moldau und der damit verbundene Ausblick auf die andere Seite ((auch) in dieser Hinsicht sind sich Prag und Budapest sehr ähnlich). Somit haben wir die ganzen Tage damit verbracht in der Stadt auf und ab zu laufen.

Ich wollte ganz unbedingt in ein Konzert, wahlweise ein klassisches oder in eine Jazzkneipe. Letzteres habe ich auch mit 3 netten Franzosen gemacht, allerdings erst als die Band schon fertig war. Die Stadt wimmelt von Vivaldis „4 Jahreszeiten“, von Verdi Opern und Mozart Konzerten, allerdings kann man sich davon einfach nichts leisten (Studentenkarte mit Gruppenermäßigung ab 24,-€, sogar in den kleinen Kirchen) und ich habe recherchiert Konzertsammlung von einem Tag Flyer sammeln ! Ich habe den Eindruck, dass diese Konzerte vor allem für Touristen gemacht sind. Die waren (Ich weiß, ich auch…) eine echte Plage. Man hat kaum Prager gesehen, sondern nur Touristen, so z.b. beim Schloß: Prager Schloss mit ein paar Touristen

Am letzten Tag haben wir (die 3 Franzosen und ich) deshalb einen Ausflug weiter raus gemacht, um mal ein Paar Prager zu sehen, allerdings war dort die Stadt auch nicht unschöner Gebäude im Norden von Prag !

Zurück bin ich mit eben diesen Dreien früher gefahren, als von Marie geplant, da wir die 15€ für das Hostel so in ein Zugticket anlegen konnten und für uns der Montag frei war. Wir haben den letzten Zug um 0:52 nach Bratislava genommen und ich war um 11:00 Uhr am Montag zu Hause. War wirklich eine gute Idee (nicht meine), da ich mich so wenigstens mal ausschlafen konnte.

Fazit: Ein gelungenes, wenn auch mit 140 Eiern recht teures Abend-teuer. Noch einige Bilder ohne Kommentar:

Selbstportrait Supermarkt! Blick auf die Moldau am Abend Kirche irgendwo in Prag Auf Tuchfühlung mit Moderner Kunst Kinderwerbung?

19.Oktober.2006

Doch Prag

Gespeichert unter: News — Attila @ 12:43

Morgen früh steige ich in den Zug und fahre nun doch nach Prag! Der Haufen Menschen ist einfach zu verlockend und das Wetter hier doch nicht sonnig. Also bin ich von Freitag bis Montag früh „in der Nähe“ von Berlin. Wer Lust hat, nach Prag zu kommen, schreibe eine Email. Ich werde morgen Abend reinschauen und meine (ungarische) Handynummer weitergeben. Dann können wir uns dort treffen. Für alle anderen folgt der Reisebericht a.s.a.p. Ach manchmal bin ich so spontan (oder zu lange unentschlossen), dass ich Angst vor mir selbst kriege. Ich freu’ mich!

18.Oktober.2006

Seite aktualisiert

Gespeichert unter: News — Attila @ 21:50

Siehe rechts oder einfach klicken: Meine Uni in Bildern.

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