Ich habe mir bei Ebay (für meinen Blog) ein Fotohandy gekauft. Endlich eine vernünftige Kamera. Die andere wird, sobald die neue da ist, lebendig begraben!
29.September.2006
Schon 4 Wochen (oder 10%) rum!
Ich habe noch überhaupt nicht erzählt, wie es mir in der letzten Woche so erging. Also werde ich das jetzt zusammenfassen. Aber eigentlich gibt es nicht so viel zu berichten, wenn man mit seiner Situation zufrieden ist.
Am Freitag, Montag und Dienstag bin ich nicht zu den Hausparties gegangen und war damit faszinierend zufrieden. Auch wenn ich so gut wie überhaupt keinen Kontakt mehr zu den ERASMUS Studenten habe. Dafür habe ich sehr oft die Gitarre in der Hand und spiele alles mögliche und am Sonntag habe ich sogar 3 Stunden lang Beatboxen geübt.
Samstag habe ich mich mit Romi Dani (also nicht mein Cousin, aber auch ein guter Freund der Familie) und seinen Freunden getroffen. Wir sind zur Festival-Insel (da wo das Sziget jeden Sommer steigt) gefahren und wollten dort in einen Drum and Bass Schuppen gehen. Aber wir waren nicht die Einzigen, es standen mehr Menschen an, als im Club selbst drin waren! Wir sind eine Stunde hingefahren (Budapest ist doch groß) und ca. 2 Stunden zurück. Zwischendurch haben wir ordentlich gesoffen etc. Also ich fand es echt lustig!
Vom Dienstag habe ich berichtet und Mittwoch war ich dann doch zum ERASMUS-Pub-Abend, weil ich dachte, dass man sich da in Ruhe hinsetzten und reden kann. Dem war nicht ganz so, aber ich habe mich trotzdem fabelhaft unterhalten und habe mich festgequatscht bis halb 3. Also man soll nicht den Mut verlieren! Donnerstag früh war ich nach 3 Stunden Schlaf zum ersten Mal bei dem Hungarian Folklore Kurs, dafür bin ich danach nach Hause und habe Psychologie verpasst. Es war anstrengend, da der Prof langweilig vorgetragen hat und interessant, als er zwischendurch mal Musik gespielt hat, oder selbst gesungen. Aber es war gut, auch wenn ein Buch darüber lesen, wohl spannender wäre. Ich gehe wieder hin. Ich denke es wird besser, wenn man ausgeschlafen ist.
Bilanz, der letzten 4 Wochen: Ich habe
- Eine eigene Bude mit Flatrate,
- Einen erstklassigen Stundenplan,
- 2 Chöre,
- Viele Freunde in Aussicht,
- Viel Zeit und bin trotzdem immer beschäftigt,
- Mich selbst und eine Familie vor Ort,
- Viel ungarisch gelernt und so gut wie kein englisch und
- Viel vor.
Ich denke, das ist keine schlechte Bilanz!
26.September.2006
Hármashatár-hegy
Heute habe ich eine Expedition gemacht! Sie war von mir selbst organisiert und geplant. Dies beinhaltete folgende Dinge
- Das Motto: „Besteige den höchsten Berg Budapests“
Das wars.
Also bin ich früh aufgestanden (so gegen 11.00 Uhr) und habe keine Stullen geschmiert, habe mich in die Tram gesetzt und bin losgefahren. Ich hatte keine Karte und der einzige Hinweis, den ich hatte, war von der Touristenbusrundreiseführerin vor 3 Wochen, die immer wieder sagte: „Und dort sehen wir den höchsten Berg von Budapest am nördlichsten Zipfel der Stadt.“ (Sie hatte so einen süßen, ungarischen Akzent) Und zeigte, auf den Fernsehturm. Die Tram brachte mich bis zum Fuße des Berges (=hegy, sprich hedj) „Hármashatár“, was heißt mitten in der Stadt. Auf folgender Google-Earth-Karte ist das Position X1
Von da aus bin ich erst einmal vorbei an richtig schönen und überhaupt nicht schönen Einfamilienhäusern bis fast auf den Berg gestiegen.
Ich dachte ja eigentlich, dass dieses Auslandsjahr eine Reise aus mir heraus wird, aber es ist momentan vorallem eine Reise in mich hinein! Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen solchen Ausflug alleine gemacht. Aber wann sonst kann man Meredith Monk hören, während man auf verlassenen Trampelpfaden dem bewaldeten Kamm folgt! Es war schon echt gruselig, als plötzlich der Fernsehturm zwischen dem Waldgeäst auftauchte:
Ich bin zum Turm hin und habe dort eine falsche Abzweigung genommen, die mich wieder ganz ins Tal führte. Aber ich wollte nicht den gegangenen Weg zurückgehen, um so meinen Fehler zu sühnen. Und siehe da, es hat sich gelohnt (schon alleine des Wanderns wegen). Ich bin auf der anderen Seite also wieder den Berg hinabgeklettert und von einer dritten wieder rauf, um dann ganz oben zu stehen und auf die Stadt hinabzuschauen.
Wenn man genau hinschaut (keinen Kommentar über die Qualität der Photos; meine Kamera und ich haben gerade einen Waffenstillstand ausgehandelt!), sieht man (bei Position X3 s.o.) den Gelért hegy, der direkt neben meiner Uni ist (und der nicht der höchste Berg Budapests ist. Die Stadt ist größer als sie scheint!). Was man aber auf jeden Fall sieht, ist die Donau.
Einen Haken hat das ganze. Mir dämmerte nämlich schon kurz vor Erreichen der Spitze:
dass ich auf dem falschen Berg bin und meine Expedition wohl gescheitert ist, denn da war mir gegenüber ein anderer, höherer Berg zu sehen. Und in der Tat wurde mir später von einem Rentnerehepaar, dass den Berg mithilfe eines Autos erklommen hat, erzählt, dass natürlich der andere Berg da drüben, der János hegy, der höchste Berg sei. Wenn ich diese Touristenbusrundreiseführerin wiedersehe, dann kann sie was erlernen!
Aber eigentlich habe ich mich in keinem Moment geärgert, dass ich Dienstags keine Uni und den Berg bestiegen habe. Der Himmel war blau und meine Stimmung hoch. Und zum Dank gab es diese tolle Aussicht; eine Stunde sonnen; Mountainbikern (da war ich aber neidisch), Paraglidern und Drachenfliegern zusehen und ein sehr leckeres Mittag mit Talblick (Position X2), wenn auch etwas teuer (ca. €18,-).
Ich habe mein Gleichgewicht gefunden. Mit Freuden schaue ich auf die nächsten zwei vollen Unitage und erwarte den nächsten freien Dienstag!
23.September.2006
Einkaufen
Heute gehen wir mal zusammen in meinem CBA im Haus einkaufen, denn das ist wirklich spannend!
„Jó napot!“, geht es los, wenn man reinkommt. Der Laden besteht im großen und ganzen aus zwei Gängen. Einmal hin und dann wieder zurück. Zuerst kommt der Drogeriebedarf und die Knoservendosen (von denen habe ich noch keine probiert, klingt nicht zu verlockend was dort angeboten wird. Es gibt keinen Thunfisch, nur Sardinen, was mich echt ärgert!) Im selben Gang am Ende ist das Gemüse und Obst unser erster Stopp.
Das Angebot ist für ungarische Verhältnisse nicht berauschend, aber qualitativ immer noch besser als Kaisers (und die sind eigentlich ganz gut). Alles, was man braucht, ist in vier Etagen in Kisten. Heute kaufen wir: Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Eier (Ja die sind auch hier in einer Kiste), Pfirsiche, Bananen und Weintrauben. Und das geht so: Tüte nehmen, einpacken, was man will, Preis merken, zur Waage gehen und Preis eintippen. Einen Zettel (z.B. einen alten Kassenbon) nehmen und untereinander die Preise der einzelnen Waren aufschreiben. Alles in den kleinen Korb legen und den Zettel dazu.
Weiter gehts. Wir sind inzwischen am Ende des Ganges angekommen. Hier ist zur Rechten eine Tiefkühltruhe und gerade zu, ziehmlich verbaut, ist eine Theke. Wenn man Fleisch, Wurst oder Käse will, kommt man nicht umhin mit den Angestellten zu reden. (
Anekdote-> Als ich das erste mal hier war, wollte ich 50g Juhturó, also sagte ich „50″, Sie fragte: „deka?“ ich nickte. Und Sie fing an mir 500g abzuwiegen. Zum Glück konnte ich sie bei 200 stoppen und sagte: „Genug!“ Sie nickte und packte ein. Des Rätsels Lösung: Die rechnen hier in dkg (Dezikilogramm). Ich habe aber tatsächlich die 200g verputzt, ich mag das Zeug! Auch wenn ich erst einmal genug davon habe. <-Anekdote Ende
)Selbst die abgepackte Wurst ist nur hinter der Theke zu kriegen. Lassen wir uns also ein wenig Kolbász (Wurst) und Juhturó (mh so ‘ne Art Frischkäse?) geben und wählen eine Flasche Viszki (i.e. Whiskey) aus (Imaginäre Einkäufe sind lustig!).
180° Kehrtwende und auf zum 2.Gang Anfang: Brot! Es gibt im großen und ganzen nur eine Sorte Brot in ganz Ungarn: Weißbrot. (Wobei sich das inzwischen schon geändert hat. Hier nicht) Also lassen wir uns ein Brot halb durchschneiden und packen es selbst in eine Tüte. Dazu noch ein Brötchen und ein Kifli gegrabscht (mit bloßen Händen in die Kiste gegkiffen!) und auf, gegenüber von Kaffee, Tee etc, zur Kühltruhe. Hier packen wir 2 Liter Schlauchmilch und 10 Turó Rudis ein. (Ich glaube, der Korb reicht schon gar nicht mehr) Noch zwei Bier aus dem kleinen(!) Nebenraum, wo sich die Bierkisten und Getränke bis unter die niedrige Decke stapeln und vor zur Kasse, wo wir noch Boci-Schokolade einstecken und leckere Balatons auswählen. Eine Packung Kippen (die gibt es überall in Ungarn nur direkt von den Verkäufern ausgehändigt, deshalb haben Sie immer so eine riesen Kiste über ihrem Kopf mit verschiedensten Marken. Die haben hier verdammt viele Marken, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört habe.), einmal Batterien für meine ’schöne’ Kamera und bezahlt.
Ich zahle schätzungsweise €10,- (ohne Viszki und Batterien) für so einen Einkauf. Ich gehe zweimal die Woche einkaufen: das sind so ca. €15 in der Woche ohne Luxusgüter (Verstehe jeder darunter, was er will).
„Viszont látásra!“ Alles in den Rucksack gesteckt und ab nach Hause! Die Schlauchmilch nehme ich extra. Der traue ich immer nicht!
Ich freue mich schon auf den Viszki, auch wenn er nur imaginär ist!
Party oder Party
Also mal ganz ehrlich: Ich habe diese Parties hier echt satt!
Riesen Haufen Menschen, die einen alle mit Namen kennen und man sich jedesmal entschuldigen muss, dass man ihre Namen eben (noch) nicht kennt. Aber ich will sie auch nicht lernen! Die Namen von den Menschen, die mich interessieren, behalte ich zumeist beim ersten intensiven Gespräch. Aber das ist das Problem an diesen Riesenparties.
Am Mitwoch wurden wir ins „Kuplung“ geschleppt. Eine nette Hinterhofkneipe, aber riesig. Fässt bestimmt 250 Menschen und mehr. Und so standen und saßen alle rum und redeten. Ich habe dieses Rotations- und Beschnüffelspiel, wie oben angedeutet, nun satt und habe mir an diesem Tag nicht die Mühe gemacht mit jedem zu reden, der in meiner Nähe stand. Ich bin sogar Leuten mit einer müden Ausrede durch die Lappen gegangen, um dieses Small Talk blabla nicht mehr zu hören. Dafür hatte ich sehr interessante Gespräche mit Yahir dem Israeli und Yeeshi (Ich weiß nicht, ob ich den richtig gesprieben habe) dem Äthiopier und einigen Deutschen und Franzosen. Außerdem lief ein echt gutes Konzert von Fantazio (beim Googlen erster Eintrag). Das sind Franzosen, die richtig verrückte Musik machen. Ich habe mir eine CD gekauft und war so glücklich endlich mal ‘vernünftige’ Musik zu hören. Ich glaube, ich muss mal mehr in die Alternative und Jazz Szene in Budapest eintauchen, da scheint noch viel verborgen!
Zum Glück hatte ich auf dem Heimweg mein kleines Radio dabei, dass mir sagte, ich solle nicht zum Oktogon gehen, denn da sei gerade die Polizei dabei, die Massen auseinander zu treiben. Also bin ich umgekehrt. War schon gruselig: Die ganze Ringstraße war voll von schnelllaufenden Springerstiefel- und Kaputzenträgern und langsamschlendernden Alternativlinken und stank nach Rauch und Tränengas (obwohl ich nicht weiß, wie das riecht). Man spricht hier inzwischen von Revolution.
Am Donnerstag ging es wieder bei einer Hausparty zur Sache. Ich habe irgendwie den Anschluss verpasst, was das Saufen angeht und bin dadurch mit allem anderen auf der Strecke geblieben. Ich bin nach ca. 15 Small Talk Gesprächen wieder gegangen. Keine besonderen Vorkommnisse, außer dass die Polizei nicht kam. Wegen der Krawalle haben die keine Kapazitäten für laute Studentenparties.
Gestern Abend war Jazzchor. Echt nicht übel, ich glaube ich bleibe! Ich wurde richtig herzlich aufgenommen und integriert und dass in nur einer Probe! Ich habe richtig Lust da zweimal die Woche hinzugehen! Die sind echt richtig sympathisch und musikalisch! (Benutze ich zu oft „echt“? und wenn ja ist das Släng)
